Wehr (Wasserbau) - Wikipedia Mobile


Use Wikipedia with dynamical search help in all languages ...
English |German | Spanish | French

WonderworldWikipedia

Wikipedia - How to create a page
Regulierbares Wehr mit Fischpass an der Werre in Lage

Ein Wehr, auch Stauwehr, Stauwerk, in der Schweiz, in ├ľsterreich und S├╝ddeutschland auch Wuhr, Werche[1] oder Legi[2] genannt, ist im Wasserbau ein Absperrbauwerk, das den Zufluss oder Abfluss eines Gew├Ąssers abschlie├čt. Damit ist es Teil einer Stauanlage und bildet eine k├╝nstliche Fallstufe. Wehre k├Ânnen zeitweise ├╝berstr├Âmt oder durchstr├Âmt oder beides gleichzeitig sein. Sie werden h├Ąufig, aber nicht zwingend zusammen mit anderen Anlagen wie z. B. Wasserm├╝hlen, Wasserkraftwerken, Schleusen und Staud├Ąmmen errichtet und betrieben.

Der Bereich in tats├Ąchlicher oder potentieller Gew├Ąsserflie├črichtung unterhalb des Wehres wird als Unterwasser, der oberhalb als Oberwasser bezeichnet. Das ├╝berfallende Wasser f├Ąllt hinter dem Wehr in ein Tosbecken. Das Tosbecken kann durch eine Schwelle abgeschlossen werden, die der Stabilisierung des Wechselsprungs dient. ├ťber gro├čen festen Wehranlagen werden manchmal Flussbr├╝cken errichtet. Eine kleinere Bauform des Wehrs ist die Stellfalle.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die ersten von Menschen gebauten Wehre gab es mit Beginn der Sesshaftwerdung in Mesopotamien, am Indus und am Nil schon vor etwa 5000 Jahren. Fr├╝he Wehre wurden als leicht versetzbare Lehmd├Ąmme (sp├Ąter auch mit Holzbrettern) in Bew├Ąsserungskan├Ąlen angelegt; die sp├Ąteren festen Wehre dienten meist der regulierten Zuleitung von Wasser f├╝r den Betrieb von M├╝hlen an Fl├╝ssen oder B├Ąchen bzw. der Regulierung eines Kanals anderer Zweckbestimmung wie Wasserversorgung, Bew├Ąsserung (Wehr mit Ausleitung eines Wehrgrabens). Stauwehre konnten Gew├Ąsser mit geringer Tiefe schiffbar machen, stellten andererseits jedoch insbesondere f├╝r die Gro├čschifffahrt erhebliche Hindernisse dar.

Verwendung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Wehre an der Nidda dienen der Regulierung des Wasserstandes. Hier zu sehen in Frankfurt-R├Âdelheim nahe Brentanopark
Stillgelegtes Hubsch├╝tz zu Bew├Ąsserungszwecken im Laibach in K├Âlkebeck bei Halle Westfalen

Grunds├Ątzlich erh├Âhen Wehre das Niveau des Oberwassers um wenige Zentimeter bis um einige Meter und k├Ânnen damit verschiedenen Zwecken dienen (oft auch mehreren Zwecken gleichzeitig):

Als Stauziel wird dabei der vorgeschriebene Wasserstand im Oberwasser bezeichnet, der entsprechend der Zweckbestimmung des Wehres f├╝r den Regelbetrieb angestrebt wird und der mit R├╝cksicht auf am Oberlauf des Gew├Ąssers liegende Wassernutzer nicht ├╝berschritten werden darf. Kurzzeitige ├ťberschreitungen sind jedoch in Ausnahmesituationen (z. B. bei Hochwasser) nicht immer zu vermeiden. Das H├Âchste Stauziel stellt die maximale Wasserspiegelh├Âhe beim Bemessungshochwasserabfluss dar. Die Wasserstandsbestimmung erfolgt mit einem Pegel.

Messwehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zwei Dreieckswehre zur Durchflussmessung

Messwehre dienen zur Durchflussmessung eines Flie├čgew├Ąssers mittels einer Wehrplatte

Bauformen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wehranlage Groot Spui (um 1510) in Lier (Belgien), diente dazu, das Wasser der Nete nach Bedarf mehr durch die Stadt oder an ihr vorbei zu leiten

Je nach Bauart wird zwischen verschiedenen Wehren unterschieden:

  • Nicht steuerbare (feste) Wehre:
    Das Wehr besteht aus einem starren, nicht ver├Ąnderbaren Stauk├Ârper ohne Regelungsorgane.
  • Steuerbare (bewegliche) Wehre:
    Durch Einbau von Steuerorganen (Wehrverschl├╝ssen), hierzu z├Ąhlen Zug- und Drucksegment, Aufsatzklappe und Sch├╝tz, kann der Wasserstand im Oberwasser des Wehres bedarfsgerecht gesteuert werden. Eine Sonderform der regelbaren Wehre stellen die sogenannten Schlauchwehre dar. Diese bestehen aus einem mit Luft oder Wasser bef├╝llbaren Schlauch, der an der Gew├Ąssersohle verankert wird. In Abh├Ąngigkeit vom F├╝llungszustand des Schlauchs wird eine gewisse Regulierbarkeit des Wasserstandes im Oberwasser erm├Âglicht. Im Hochwasserfall kann bei Schlauchwehren durch Entleerung der Schlauch beinahe vollst├Ąndig gelegt und somit ein freies Abflie├čen des Hochwassers gew├Ąhrleistet werden.

Die Form der Wehrkrone kann breitkronig, str├Âmungsg├╝nstig ausgerundet oder scharfkantig ausgef├╝hrt werden. Die Form beeinflusst sowohl die Abflussleistung bei gegebenem Oberwasserstand als auch m├Âgliche Unterwassereinfl├╝sse. Auf der Wehrkrone stellt sich im Allgemeinen ein Flie├čwechsel vom Str├Âmen zum Schie├čen ein. Dieser Flie├čwechsel geht mit einer Beschleunigung des Abflusses auf dem Wehrr├╝cken einher. Unter Umst├Ąnden kann bei gr├Â├čeren Abfl├╝ssen und/oder bei geringen Wehrh├Âhen der relativ hohe Unterwasserstand f├╝r einen R├╝ckstau auf der Wehrkrone sorgen. Der idealerweise vollkommene (durchs Unterwasser ungest├Ârte) ├ťberfall geht dann in einen unvollkommenen ├ťberfall ├╝ber, mit einer Anhebung des Wasserstandes im Oberwasser (Stauhaltung).

Feste Wehre[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wehr mit Stauk├Ârper ohne Verschluss

Bewegliche Wehre[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bei beweglichen Wehren lassen sich im Bedarfsfall die Verschl├╝sse zum Teil oder ganz beseitigen.

Bewegliche Wehre mit ├╝berstr├Âmbaren Verschl├╝ssen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bewegliche Wehre mit unterstr├Âmbaren Verschl├╝ssen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bestandteile[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gr├Â├čere Wehranlagen werden meist mit mehreren Wehrfeldern mit Wehrverschl├╝ssen (Regelungsorganen) ausger├╝stet, die getrennt voneinander bedient werden k├Ânnen. Aus Sicherheitsgr├╝nden sollten Wehre ein Feld mehr haben als erforderlich (n-1-Regel), damit eines gefahrlos infolge Revision oder Verklausung bei Hochwasserereignissen ausfallen kann.

Viele Wehre enthalten ÔÇô zumindest teilweise, in einzelnen Feldern ÔÇô bewegliche Elemente (Sch├╝tz), mit denen eine Abflussregulierung m├Âglich ist.

Moderne Wehre enthalten auch h├Ąufig einen Wehrsteg (├ťbergang), einen Fischpass (Wanderaufstiegshilfe), eine Schleuse oder Bootspassage (oder einen kombinierten Fisch-Kanu-Pass).

Nebenwirkungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

├ľkologische Auswirkungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wehre sind k├╝nstliche Bauwerke in nat├╝rlichen Gew├Ąssern. Sie sperren das Gew├Ąsser ab und machen es dann Fischen und anderen Wasserlebewesen oft unm├Âglich, stromaufw├Ąrts zu wandern. Dieses Problem kann durch die Einrichtung einer Fischtreppe minimiert werden. Wenn eine feste Wehrschwelle m├Âglich ist, setzt man heute auch h├Ąufig eine Sohlrampe anstelle eines Wehres ein, welche von den meisten aquatischen Lebewesen besser ├╝berwunden werden kann.

Wehre stauen das Gew├Ąsser auf und bewirken oberhalb eine deutliche Verringerung der Flie├čgeschwindigkeit, da sich bei gleichem Durchfluss die durchstr├Âmte Fl├Ąche erheblich vergr├Â├čert. Durch die geringere Flie├čgeschwindigkeit kommt es im Oberwasser zu verst├Ąrkter Sedimentation und die Sohle des Gew├Ąsserbettes kann sich aufh├Âhen. Unterhalb des Wehres fehlt das Geschiebe. Da Fl├╝sse dann h├Ąufig mit ihrer ├╝bersch├╝ssigen Energie Sohlsubstrat aufnehmen, kann es unterhalb von Wehranlagen zur Sohlvertiefung, damit zur Vertiefung des gesamten Gew├Ąssers und m├Âglicherweise auch des umgebenden Grundwassers kommen.

Bei einem stark belasteten Gew├Ąsser kann es oberwasserseitig wegen der geringen Flie├čgeschwindigkeit zu Sauerstoffmangel und dann auch zum Fischsterben kommen. Auch das Temperaturverhalten des Gew├Ąssers kann durch den Aufstau oberhalb beeinflusst werden. In der Regel findet man im Stauraum oberhalb des Wehres aufgrund der anderen Flie├čgeschwindigkeiten und Temperaturen eine andere Flora und Fauna als im Unterwasser.

Gefahrenstelle[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ein ├╝berstr├Âmtes Wehr, das quer zum Fluss verl├Ąuft, ist f├╝r Schwimmer und von kleinen Booten aus auch bei Tageslicht von flussauf schlecht erkennbar. Ist die Flie├čgeschwindigkeit des Gew├Ąssers auch nur gleich gro├č wie die Geschwindigkeit von Schwimmer bzw. Boot (gegen├╝ber Wasser) muss rechtzeitig oberhalb des Wehrs, etwa gew├Ąsserbreit vor der letzten rettenden Uferstelle zumindest quer zum Gew├Ąsser geschwommen/gefahren werden, um nicht Gefahr zu laufen, ├╝ber das Wehr zu treiben.

├ťber ein Wehr getrieben folgt ein Sturz mit dem Wasserfall auf unbekannten Untergrund. Sch├Ąumendes Wasser hat eine geringere Dichte, so dass weniger Auftrieb entsteht, um den Kopf zum Atmen ├╝ber Wasser halten zu k├Ânnen. Strebt man dank Auftrieb von Neopren, Schwimmweste oder Bootsk├Ârper nach oben k├Ânnen einen die Wirbelwalzen vor und hinter dem Wasserfallvorhang immer wieder zum Fall treiben, wie an Treibholzst├╝cken zu beobachten ist.[3]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Klause (Wasserbau)

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Wehr. In: Meyers Konversations-Lexikon. 4. Auflage. Band 16, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig/Wien 1885ÔÇô1892, S. 474.
  • Peter Kaiser: Stauwerke. In: Historisches Lexikon der Schweiz.
  • Lueger: Lexikon der gesamten Technik. Stichwort Stauanlagen Online-Auszug
  • J├╝rgen Giesecke, Emil Mosonyi, Stephan Heimerl: Wasserkraftanlagen: Planung, Bau und Betrieb. Springer Berlin, 2009, ISBN 978-3-540-88988-5.
  • Kurt Lecher, Hans-Peter L├╝hr, Ulrich C. E. Zanke: Taschenbuch der Wasserwirtschaft. 8. vollst├Ąndig neubearbeitete Auflage. Vieweg, Wiesbaden 2003, ISBN 3-528-02580-8.
  • Theodor Strobl, Franz Zunic: Wasserbau. Aktuelle Grundlagen, neue Entwicklungen. Springer, Berlin u. a. 2006, ISBN 3-540-22300-2.
  • Bundesanstalt f├╝r Wasserbau (Hg.) (2020): Feste Wehre an Bundeswasserstra├čen: Untersuchungen zur Machbarkeit sowie Empfehlungen zur Umsetzung. Karlsruhe: Bundesanstalt f├╝r Wasserbau (BAWMitteilungen, 105). hdl.handle.net

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Wehre ÔÇô Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
Wiktionary: Wehr ÔÇô Bedeutungserkl├Ąrungen, Wortherkunft, Synonyme, ├ťbersetzungen

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. ÔćĹ Christian Rohr: Extreme Naturereignisse im Ostalpenraum, Naturerfahrung im Sp├Ątmittelalter und am Beginn der Neuzeit, B├Âhlau Verlag, K├Âln, Weimar, Wien, 2007, ISBN 978-3-412-20042-8, Seite 355, teilweise einsehbar bei Google-Books
  2. ÔćĹ Johann Peter Hebel: Allemanische und hochdeutsche Gedichte, Karlsruhe 1838, S. 279 Google-Digitalisat; auch heute noch in der lokalen Presse des Wiesentals verwendeter Begriff
  3. ÔćĹ Christoph Slaby: Einsatztaktik f├╝r die Feuerwehr: Hinweise zur Wasserrettung (PDF; 861 kB), Landesfeuerwehrschule Baden-W├╝rttemberg, Juni 2011, abgerufen am 5. Juni 2016

DuckDuckGo

coinbase - Buy, trade, send, receive and convert cryptocurrencies

investopedia - how does bitcoin mining work

Andere Versionen: Mobilpedia | Sick Universe